Landwirte, Gülle und meine Schmetterlingszählungen

Heute sind es 21 Grad, leichte Bewölkung und leichter Wind.
Eigentlich perfekte Bedingungen, um Schmetterlinge zu kartieren.
Wenn denn dann Schmetterlinge da wären…

Seit einigen Jahren mache ich beim Tagfalter-Monitoring für das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit. Es wird bei entsprechendem Wetter ein vorher festgelegter Transekt abgegangen. Die dabei gesehen Schmetterlinge werden später online gemeldet. Mein Trajekt hat eine Länge von 500m.
In den letzten zwei Wochen wurden jedoch in dem entsprechenden Gebiet auf ich weiß nicht wie viel Hektar ALLE Wiesen gemäht und gegüllt.

Aber der Reihe nach:

Die Wiesen wurden IN DER BRUTZEIT gemäht! Ich könnte Ärger bekommen, müsste vielleicht eine Geldstrafe zahlen, wenn ich meinen Hund unangeleint in diesem Gebiet laufen lassen würde. Es gilt momentan die Leinenpflicht. Einige Jäger haben es sich zur „Aufgabe“ gemacht und kontrollieren das. Zur gleichen Zeit, in der mein Hund angeleint werden muss, damit er in den schmalen Randstreifen, in dem eh nichts brütet, keine Nester zerstört kann, mähen die Landwirte riesige Flächen!!!!!!!
Neben vielen jungen Rehkitzen, die dabei ihr Leben lassen müssen, werden auch die Nester bzw. der nicht flügge Nachwuchs brütende Wiesenvögel getötet! Unter anderem auch von den Sumpfohreulen, die als vom Aussterben bedrohte Art auf der Roten Liste stehen!

Nachdem die Wiesen dann gemäht worden sind, werden sie auf Teufel komm raus gegüllt. Eine Wiese wurde MINDESTENS dreimal gegüllt! Und dann werden einige Wiesen umgegraben. Auf einigen wächst Gras, auf vielen anderen Mais. Also Monokulturen.

Ich habe heute während meiner Kartierung nicht EINEN Schmetterling gesehen!!!!!
Bei der letzten Zählung konnte ich auch nur ein Landkärtchen feststellen!
Auch andere Insekten waren fast nicht vertreten.

Warum sollte hier auch etwas fliegen?? In dem schmalen Randstreifen blüht vereinzelt etwas. Diese werden demnächst sicher auch gemäht. Aber: Auf den riesigen Flächen rum zu blüht nichts! GARNICHTS!  Alles gemäht und totgegüllt!

In meinem Garten habe ich heute mehrere Schmetterlingsarten gesehen. Auch drei Libellenarten, Bienen, Hummeln, Fliegen, Schwebfliegen…
Innerorts fliegt also sehr viel mehr, als auf dem freien Land!

Leute! Wir haben es nicht fünf vor Zwölf! Es sind einige Sekunden vor Zwölf!

Es muss DRINGEND etwas passieren! So kann und darf das nicht weiter gehen!

Abgesehen davon, das alles torgegüllt wird, wird unser Trinkwasser dadurch auch vergiftet/belastet.Die Nitratwerte im Grundwasser steigen von Jahr zu Jahr an. Irgendwann wird unser Trinkwasser teurer werden, weil die Filtermethoden immer anspruchsvoller werden müssen.
Und abgesehen davon ist das ständige Güllen auch mit einer tagelangen Geruchsbelästigung verbunden!

Unsere Politiker labern zu großen Teilen nur Mist und stellen sich hinter FridaysForFuture. Das tun sie nur, um ihren Schein zu wahren. PASSIEREN TUT NICHTS!
Lobbyisten halt!

Ich hoffe, das sich nach den bevorstehenden Europawahlen endlich was tut. Und zwar schnell!

Allerdings bin ich der Meinung, das es schon zu spät ist. Die Umweltverschmutzung und damit das Artensterben werden weiter gehen. Denn die EU ist nicht gerade dafür bekannt schnell zu handeln.
Aber mit entsprechenden Maßnahmen (nicht nur bei den Landwirten) kann vielleicht ein weiterer Rückgang gestoppt werden. Hoffe ich jedenfalls…

Ein Anfang wäre aber gemacht, wenn die Landwirte strenge Vorschriften bekommen würden. Jammern tun sie ja eh immer. Da kommt es auf einmal mehr auch nicht an.

 

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

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    Hallo, Axel!

    Bei uns ist es noch nicht ganz so schlimm. Im Garten und den von mir gepachteten Flächen gibt es noch gut Schmetterlinge.
    Auf den Gülleflächen: Nix.

    Gruß
    Hubert

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    „Unsere Politiker labern zu großen Teilen nur Mist und stellen sich hinter FridaysForFuture. Das tun sie nur, um ihren Schein zu wahren. PASSIEREN TUT NICHTS! Lobbyisten halt!“ Genau. Aber auch die Bürger müssen umdenken. Der Mensch“, schreibt schon Alexander von Humboldt, „verändere das Klima „durch Fällen der Wälder, durch Veränderung in der Verteilung der Gewässer und durch die Entwicklung großer Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie.“ Diese Feststellung findet sich in seinem Buch „Central-Asien. Untersuchungen über die Gebirgsketten und die vergleichende Klimatologie“. Es erschien 1843 zunächst auf Französisch und ein Jahr darauf dann auf Deutsch.“ Mein Gott, wie viel klüger waren die Menschen doch in vorangegangenen Jahrhunderten. Während die Menschen damals noch MIT und VON der Natur lebten, lebt der heutige Mensch voll GEGEN die Natur und fahren das Leben auf diesem Planeten voll gegen die Wand. Dümmer geht eben immer, sogar und das gerade in diesen angeblich so genannten „Zivilisationen“!

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    • Axel Book

      Dem kann ich zustimmen.
      Die Bücher von Humboldt habe ich auf meiner Leseliste.
      Je „fortschrittlicher“ wir werden, desto mehr entfernen wir uns von der Natur.
      Und die meisten Menschen interessiert das nicht. Sie wissen nicht, das WIR von der Natur abhöngig sind.
      Die meisten Politiker, incl. der Grünen interessiert nur Macht und Geld.
      Da kommt es natürlich gut, wenn man so tut, als ob. Bringt ja Wählerstimmen. Nach der EU-Wahl haben das auch die anderen Parteien gemerkt. Und die wollen natürlich auch auf dem Umweltzug aufspringen.
      Ich erinnere nur daran: Merkel war vor ein paar Jahren gegen die Abschaltung der AKWs. Dann hat sie gemerkt, das die Grünen damit punkten. Quasi über Nacht hat sie dann ein 180 Grad Wende gemacht…
      Verlogenheit und Heuchlerei!

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    Ja, den meisten ist gar nicht bewusst, dass der Mensch an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Mir wurde das auch erst in den letzten zehn, 20 Jahren bewusst, wie man im Kapitalismus mit dem Gut Natur und Umwelt umgeht. Einige Eliten, Exzellenzen, Eminenzen, Intelligenzen betrachten Natur und Umwelt als ihr alleiniges Eigentum und beuten es aus wie die Kongo-Akte demonstriert. Und Otto-Normal-Bürger interessiert sich nicht dafür oder kommt gar nicht dazu.
    So nehmen die Dinge ihren Lauf und Gaja – die Erde – begegnet auf ihrem Flug durch’s All einem Planeten. „Hei, grüß Dich. Schön, dass man sich mal wieder sieht. Wie geht’s?“ fragt dieser. „Schlecht“ erwidert Gaja: „Hab grad Homo Sapiens.“ Antwortet der Planet: „Oh das tut mir leid. Da wünsch‘ ich Dir gute Besserung. Aber mach dir mal keine Sorgen, hatte ich auch mal, das geht wieder vorbei, die vernichten sich selbst und sterben aus und dann geht’s Dir wieder besser.“ Menschen sind eben nur Flöhe @ Läuse im Pelz der Erde.

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