Die Waldohreule (Asio otus)

Letzt Woche bekam ich einen Anruf, der mich auf eine verletzte Waldohreule hinwies. Die Eule saß entweder auf dem Boden, oder auf einem Stamm in Bodennähe:

Waldohreule

Waldohreule

Nun sitzen Eulen für gewöhnlich nicht gerade schlafend in Bodennähe. Sie schlafen zwar tagsüber, aber die Schlafplätze liegen etwas höher in Bäumen.

Diese Eule störte sich auch nicht daran, das wir in Ihrer Nähe standen.
Die Tage zuvor war es stürmisch und auch Orkanböen fegten über Ostfriesland. Hatte diese Eule sich irgendwie verausgabt, oder sich am Flügel verletzt?
Da es schon kurz vor Sonnenuntergang war beschloss ich den nächsten Tag abzuwarten. Vielleicht hatte die nachtaktive Eule sich dann erholt und war weg.
Dem war leider nicht so…
Doch was machen? Wohin mit der Eule?
Durch einen Anruf in der Wildtierauffangstation Rastede klärten sich diese Fragen.
Die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Leer schicke eine Mitarbeiterin, die dann die Eule nach Rastede fahren würde.
Das Fangen der Eule war dann nicht ganz so einfach. Sie konnte immer ein paar Meter fliegen. Und das zeigte sie immer gerade dann, wenn wir sie fangen wollten. Naja. Klar! Wer lässt sich schon gerne fangen?
Nach dem vierten Anlauf hatten wir die Eule dann.
Die Eule hat nichts gebrochen, scheint aber, so vermutete der Tierarzt in Rastede, irgendwo gegen geflogen zu sein. Sie war ein paar Tage später zwar noch ein wenig tüdelig, aber so scheint es, auf dem Wege der Besserung. Der Stationsleiter meinte, das sie die Eule schon wieder aufpäppeln würden.
Gut das es solche Stationen gibt!

Doch was ist eigentlich eine Waldohreule?

Waldohreule

Waldohreule

Die Systematik:

Klasse: Vögel
Ordnung: Eulen
Familie: Eigentliche Eulen
Gattung: Ohreulen
Art: Waldohreule

Ihren Ruf haben sicherlich schon viele gehört. Wenn es dämmert, oder auch in der Nacht. Dann sind diese Eulen aktiv. Sie jagen und Balzen.

Ruf Waldohreule:


Die Waldohreule ist eine der häufigsten Eulenarten in Mitteleuropa.
Sie hat eine Körperlänge von etwa 36cm und eine Flügelspannweite von etwa 95cm.
Ihr Gewicht beträgt beim Männchen zwischen 220 – 280g und beim Weibchen zwischen 250 – 370g.
Die großen Federohren, die dem besseren Hörvermögen dienen, kennzeichnen diese Art.

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Die Waldohreule benötigt in erster Linie offenes Gelände mit niedrigem Pflanzenwuchs. Hier kann sie gut jagen. Sie fliegt bei der Jagd relativ dicht über den Boden.

Die Hauptbeute der Waldohreule besteht aus Mäusen. Aber auch kleinere Singvogelarten, wie zB. Sperlinge oder Grünfinken werden gefangen.

Im zeitigem Frühjahr kann man die ersten Paarungsrufe des Männchens vernehmen.
Kommt es zur Brut legt das Weibchen vier bis sechs Eier. Waldohreulen nutzen verlassene Nestern von Greifvögeln und Krähen.
Nach einer Brutdauer von 27 – 28 Tagen schlüpfen die Küken.
Mindestens bis zur 11. Lebenswoche wird der Nachwuchs von den Eltern gefüttert. Ab der 10. Lebenswoche können die Jungeulen aber in der Lage sein, selbstständig Mäuse zu fangen.

Hier der Bettelruf eine Jungeule:


Vor einigen Jahren konnte ich so eine Eule bei mir im Garten fotografieren:

Junge Waldohreule

Junge Waldohreule

Sie konnte wohl noch nicht richtig fliegen. Ich glaube nicht, das sie aus dem Nest gefallen war, das bei meinem Nachbarn in den Tannen war. Der erste Flugversuch hatte bei mir im Garten geendet, wo ich sie dann gefunden habe.
Ich machte mich schlau, was zu machen ist. Wie bei allen Jungvögeln, die man findet. Dort lassen, wo sie sind! Die Eltern wissen genau, wo sich ihr Nachwuchs rumtreibt!
Junge Waldohreulen sollten von selbst wieder in Ihr Nest klettern können.
Doch vorher musste ich noch ein Foto machen:
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Ich hatte seinerzeit nicht bemerkt, das mein Hund dies auch sehr interessant fand und mir in der Zwischenzeit über die Schulter schaute. Als Hund MUSS man den Menschen ja ständig im Auge behalten, ansonsten bauen sie Unsinn.
Naja…die Jungeule fand das nicht so toll. Sie sah auf einmal so aus:
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Ok…DAS wiederum MUSSTE ich noch fotografieren. Als sie dann anfing zu fauchen machte ich noch schnell ein Foto und zog mich schnell zurück (natürlich mit dem Hund).
Hier das „Fauchfoto“:
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Kurze Zeit später war die Eule dann auch wieder weg. Und NEIN: Mein Hund hatte sie NICHT gefressen!

Bei der Jungeule kann man auch gut die orangegelbe Iris sehen.

Waldohreulen gehören zu den Teilziehern. Aus den nördlichen Verbreitungsgebieten Mitteleuropas ziehen während des Winterhalbjahres Eulen Richtung Südwest.
Man kann im Winterhalbjahr auch immer wieder Schlafgemeinschaften finden. Dann sitzen Tagsüber mehrere dieser Eulen in einem Baum und schlafen.
Aufgrund von Beringungsfunden konnte man in der freien Natur ein Höchstalter von 28 Jahren nachweisen.

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Die Waldohreule ist nicht gefährdet.
Ihr Bestand ist „Mäuseabhängig“. In Mäusereichen Jahren können die Eulen auch gut ihren Nachwuchs hochziehen. Diese siedeln sich typischerweise in einem Radius von 50 – 100 km um den Horst neu an.
Es kann in seltenen Fällen aber auch weiter sein. Die bisher grösste zurück gelegte nachgewiesene  Entfernung einer Jungeule betrug 2140 km.

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Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Wie schön, dass ihr euch um die Eule gekümmert habt! In der Auffangstation wird sie bestimmt bald wieder fit. Und der kleine Eulenbesuch in deinem Garten ist ja niedlich. Junge Eulen und Käuze sehen so drollig aus, ganz anders als ihre Eltern. Nur gucken können sie schon ganz nach Eulenart 😉

    Liebe Grüße,
    Mirjam

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  2. Ich finde es auch schön, daß Du Dich darum gekümmert hast, daß der Eule geholfen wurde!

    Ich liebe Eulen, es sind so wunderschöne Tiere. Ich würde mich so freuen, mal eine in der Natur zu sehen. 🙂

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